Florian Voß:

Weiß Milch

Und auch Papier ist nicht geduldig
wenn es regungslos auf Tischen liegt
(Teebefleckt in Weißmilchpfützen)

Und unten im Flur das graue Winterlicht
auf den Scheiben
Nur tropfenweise auf den abgewetzten Steinen
Gänge Flure Treppenfluchten
(In einem Moment der Schwäche)
Hinausgejagt in die Unendlichkeit
in der geschlossenen Passage

Immer wieder dieser tote Milchgeruch
verschüttet aus Tetratüten (wochenalt)

Und auch Papier ist nicht geduldig
Und auch Papier ist nicht unsterblich

(Die Säure in den Bögen löscht
die letzten hundertdreißig Jahre
– Glasknochenkrankheit Gutenbergs –
Der flockige Papierstaub alter Seiten
(Erinnerung an eine Droge
– Der Rausch: Vergeßlichkeit))

 

Theodora präsentiert

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