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Textatisch: Nach dem Gründerwettbewerb

Die meisten von euch dürften ja von meinem Startup-Projekt Textatisch gehört haben – kurz gesagt, es ist eine Art Rechtschreibkorrektur, nur für stilistische Fehler, und zwar als Webservice.

Auf dem diesjährigen Wettbewerb Gründer-Garage, der am Sonntag vor fünf Tagen zu Ende ging, belegte ich damit Platz 33. Klingt nicht wie der Knaller, aber bei über 800 eingereichten Ideen halte ich das durchaus für ermutigend.

Während des Wettbewerbs hatte ich nur einen Dummy am Laufen, der nicht viel mehr konnte als Texte hochladen, darstellen und Wörter nach Häufigkeit zu sortieren. Nachdem ich wieder ein wenig Zeit ins Programmieren investieren konnte, erledigt Textatisch jetzt zum ersten Mal so etwas wie eine nützliche Aufgabe: Es findet Wortwiederholungen und sortiert sie nach einem sicher sehr unperfekten Algorithmus. Das sieht so aus:

Textatisch: Snapshot Oktober 2014

Im Text lassen sich die Fundstellen farbig markieren. Der Screenshot zeigt gleichzeitig einen kleinen Lasttest: Wie man an den hochgradig nachdenklichen Wortwiederholungen merkt, handelt es sich hier um meinen grandiosen Debütroman, dessen Nichterfolg ich hoffentlich mit Textatisch übertreffen werde. Zum Laden und Analysieren von 384 KByte Text hat das Skript 80 Sekunden gebraucht. Finde ich okay, weil die Belastung durch längere Texte exponenziell wächst. Ein 20-KByte-Text, was etwa einem c’t-Vierseiter entspricht, läuft auf meinem Laptop in weniger als einer Sekunde durch.

Das große Ziel ist, bis Ende des Jahres eine Alpha mit den Basisfunktionen fertigzukriegen. So, jetzt hab ich’s gesagt.

Zwei sehr verschiedene Vorträge

Bis letzte Woche war ich unterwegs auf der längsten und vielleicht interessantesten Reise meines Lebens: Sechs Wochen und eineinhalb Tage fuhren wir mit dem Wohnwagen in Deutschland und Frankreich herum, mit kleinen Abstechern nach Spanien, Italien und Österreich.

Anfang Mai musste ich die Reise aber für drei Tage unterbrechen, weil ich gleich zwei Vorträge halten musste. Und die waren so unterschiedlich, wie sie nur sein können.

Vortrag Nummer eins begann damit, dass ich “nur mal aus Spaß, die lehnen mich sowieso ab” ein Thema bei der re:publica eingereicht habe. Als dann die Zusage kam, konnte ich auch nicht mehr den Schwanz einziehen … also habe ich versucht, in Facebook-Werbung — ein heiterer Bilderbogen mein Gemotze über die Beschissenheit von Internetwerbung in ein paar weiterführende Gedanken einzukleiden. Die machen den Vortrag allerdings nicht weniger motzig. Wer mich rumstottern und auf der Bühne lautstark über streikende Macbooks schimpfen hören will (sofern man überhaupt etwas hört, denn die äußeren Bedingungen waren auf der rp14 leider sehr schlecht), kann sich ja das Video anschauen, allen anderen würde ich die Folien empfehlen, in die ich liebevoll das Vortragsmanuskript eingebaut habe.

Drei Tage später durfte/sollte/musste ich eine Keynote auf der DroidCon halten, der Fachkonferenz über Android. Eingebrockt hatte mir mein Freund Ralf Staudemeyer, der denn auch mit mir auf der Bühne stand und die Hauptarbeit bei der Recherche übernommen hatte. In Android Beyond Snowden ging es darum, die in Android liegenden Sicherheits- und Datenlecks zu analysieren und stinkfaulen Android-Nutzern (wie mir) mehr oder weniger einfache Maßnahmen dagegen zu empfehlen. Unter woerter.de/android/ haben wir ein paar Handreichungen zusammengestellt, die Folien (ohne Vortragstext) findet ihr hier.

ICANN und die gierigen Domain-Makler

Domainnamen zählen zu den vielen Dingen im Internet, die chaotisch gewachsen sind. Die Besonderheit dabei: Man bemüht sich noch immer nach Kräften, dieses Chaos zu vergrößern. Und das ist kein Zufall.

Seit 2004 sind viele Adressen im Internet de facto nicht mehr ohne große Hindernisse zu erreichen: Die Freigabe von internationalisierten Domainnamen macht die Adresseingabe ohne erhebliche technische Vorkenntnisse praktisch unmöglich, wenn man sich in einem anderen Sprachraum aufhält. Selbst an einer vergleichsweise simplen Umlautdomain dürften viele Deutsche im USA- oder Frankreich-Urlaub scheitern — von arabisch- oder chinesischsprachigen Domains nicht zu reden.

Zum Glück haben sich selbst nach neun Jahren Umlautdomains nicht in den Köpfen festgesetzt. Ich weiß das, denn ich habe versäumt, die Umlaut-Variante dieser Domain zu beantragen, bekomme aber immer wieder Email-Irrläufer. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zum letzten Mal eine Umlautdomain angesurft habe. Auch technische Probleme bleiben nicht aus: Ursprünglich sollten Browser ein “ß” zu “ss” auflösen, inzwischen gilt “ß” als eigenständiger Buchstabe in Domains.

Weil Umlautdomains so toll sind, gibt es sie seit drei Jahren auch als Top-Level-Domains. Bei einer Adresse wie http://موقع.وزارة-الاتصالات.مصر versteht der Durchschnittseuropäer nur Bahnhof — während ihn die Seite selbst in freundlichem Englisch begrüßt.

Die oberste Domainverwaltung ICANN ließ sich sinnlose neue Top-Level-Domains wie .aero oder .museum sponsern und wird vermutlich nächstes Jahr eine weitere Riesenliste von TLDs veröffentlichen. Und da kommen wir auch zum aktuellen Anlass dieses Rants: Die neuen TLDs kollidieren mit der schlechten, aber lange eingeführten Praxis von Admins großer Firmennetze, interne Top-Level-Domains zu verwenden. Wahrscheinlich werden einige Benutzer solcher Firmennetze nach der Einführung von über 1000 neuen TLDs das Gefühl haben, ihr Rechner sei gehijackt worden.

Warum ist die ICANN so interessiert daran, uns alle mit neuen Domains zu beglücken? Weil die Registrare damit Geld verdienen. Denn mit jeder Runde neuer Domainnamen stehen die Leute wieder Schlange wie beim Sommerschlussverkauf. Und wer etwas auf sich hält, der will nicht nur scheissfirma.de besitzen, sondern auch scheissfirma.bike und scheissfirma.sexy (und, nicht zu vergessen: scheißfirma.de) — sonst greift am Ende der Konkurrent von kackfirma.de zu. Die ICANN ist eine Lobby von Immobilienhändlern, die nach Belieben neues Land erschließen kann. Und die Grundbesitzer kaufen immer mehr dazu.

Leerstand bei den Filet-Grundstücken

Eine nützliche Neuerung bei Domainnamen fällt mir immerhin ein: Das war die Freigabe ein- und zweibuchstabiger .de-Domains 2009. Diese geschah jedoch erst, nachdem VW die deNIC erfolgreich verklagt hatte.

Aber probieren Sie doch mal ein paar der enorm begehrten Kurz-Domains durch, die damals innerhalb von Minuten wegregistriert waren. Soweit es sich nicht um bekannte Firmennamen wie vw.de oder ct.de handelt, weist schätzungsweise die Hälfte in die Leere, ansonsten trifft man überwiegend auf Zweitdomains von Firmen, die anderswo im Netz vertreten sind. Oder wussten Sie, dass Sie Amazon auch durch a.de (ade, haha!) aufrufen können? Wahrscheinlich wird Amazon noch in zwanzig Jahren nur amazon.de bewerben. Korrektur: Die Domain gehört nicht Amazon. Danke an pizza4D.

Offensichtlich braucht kein Mensch eine Erweiterung des Domain-Namensraums. Allein im .de-Raum sind 15 Millionen Domains registriert (Stand vor eineinhalb Jahren, wahrscheinlich sind’s inzwischen viel mehr). Jeder vierte Erwachsene hat eine — theoretisch. Wie viele davon haben Sie jemals besucht? 500? 1000?

Überall die Hinweise: “Hier entsteht eine neue Internet-Präsenz”. Nein, tut sie nicht. Hier hat sich jemand unbebauten Grund unter den Nagel gerissen. Wenn einer jahrelang mit einer guten Domain nichts Sinnvolles macht, sollte man sie ihm wegnehmen, als Hausbesetzer. Wie die Glucken hocken Leute auf ihren kostbaren Domain-Schätzen und träumen auf Sedo von riesigen Geldern, die sie damit verdienen könnten. Ich selbst wollte zwei Jahre lang eine Domain loswerden, die Sedo auf immerhin über 500 Euro geschätzt hatte. Es gab nicht einen Interessenten dafür — ich habe sie letzte Woche gekündigt.

Kühe melken, die es nicht gibt

Ich las es zuerst auf T3N. Ein paar Rumänen sollen sich mit Farmville-Kühen eine halbe Million Euro Landwirtschaftssubventionen ergaunert haben.

Lustig, aber auch sonderbar. Was nützen mir Farmville-Kühe beim Subventionsbetrug? Klingt extrem unglaubwürdig. T3N hat die Quelle verlinkt, und die wollte ich mir ansehen. Es war ein Blog des Bayerischen Rundfunks. Der — ich nenne ihn mal so — Journalist, der diesen Beitrag verfasst hatte, wollte sich aber offenbar nicht die Mühe machen, irgendwelche Quellen zu verlinken. [Nachtrag: Inzwischen verlinkt dieser Beitrag mehrere Quellen.] Sackgasse.

Inzwischen hätte ich meinen Vorgarten darauf verwettet, dass das ein Fake war, vielleicht eine Art Aprilscherz. Ich postete das auf Twitter und Facebook.

Inzwischen trudelten in meiner Timeline immer mehr Versionen dieses Kuhhandels ein. Huffington Post, Shortnews und andere Medien, die nicht gerade für ihre Recherchequalität bekannt sind, holten sich ihre billigen Klicks damit. Auch internationale Quellen brachten sie. Hie und da dichtete man Neues hinzu — zum Beispiel die angebliche Rechtfertigung der Rumänen, sie hätten nicht gewusst, dass die Kühe echt sein müssten.

Ex-Kollege Nico Jurran fand das entscheidende Glied in der Geschichte: Eine rumänische Website hatte vor zwei Tagen über einen gewöhnlichen Subventionsbetrug berichtet und die Story mit einem Witz über Farmville aufgemacht. Noch am gleichen Tag griff Softpedia die Geschichte auf, wo man den Farmville-Gag weiterspann — so dass der Bericht formal richtig, aber für die schlichten Gemüter unterbezahlter Online-Abschreiber offenbar zu verwirrend geworden war.

Der Journalist Torsten Kleinz fand schließlich eine der ursprünglichen Quellen: einen ganz normalen, bereits eineinhalb Wochen alten Zeitungsbericht über einen ganz normalen Betrugsfall, der sich über drei Jahre hinzog und irgendwo zwischen Bukarest und dem Schwarzen Meer passiert ist. Und nirgends die Rede von Farmville.


Warum ist das interessant? Erst zwei Tage zuvor unterhielt ich mich mit Torsten Kleinz über die Auseinandersetzung eines Mannes mit einer hypernervösen Frau an Bord eines Flugzeugs, die Ersterer live twitterte. Die Geschichte machte eine große Welle — und war von vorne bis hinten erfunden. Offenbar hatte niemand das Bedürfnis, nachzuhaken.

Wahrheit spielt keine Rolle mehr. Journalismus im engeren Sinn (also nicht nur Meldungen abschreiben und mit eigenen Erfindungen aufpeppen) ist wesentlich unpopulärer als gut ausgedachte Inszenierungen. Ja, das war schon immer so, aber der Medienwandel scheint das stark voranzutreiben. Was interessieren mich sonst rumänische Rinderbauern?

Scheiß auf Journalismus, scheiß auf die Wahrheit. Was zählt, sind Klicks und Lulz.

Warum mein teurer HP-Laptop scheiße ist

Ich gebe zu, ich war voreingenommen. HP stand bei mir schon vorher auf der Schwarzen Liste, und das noch nicht einmal wegen der ganzen Druckerschweinereien (Stichworte: Patronen-Patente, Tintenkosten, monströse Druckertreiber): Mein geliebtes Palm Pre zeigte mir eines Tages nach einem Systemupdate ein HP-Logo, und danach ging alles nur noch abwärts. HP hat mein Lieblings-Mobilbetriebssystem auf dem Gewissen, weil sie zu dämlich waren, brauchbare Geräte dafür herzustellen. Aber wollen wir nicht nachtragend sein. Es gibt genug andere Gründe, warum ich nie wieder einen Rechner von HP kaufen werde.

Die Rede ist von einem EliteBook 8570p. Ich hab es mir nicht ausgesucht. Bei meinem Ausscheiden aus der c’t habe ich ausgehandelt, dass ich zum Einstieg in die Freiberuflichkeit noch einen ordentlichen Laptop kriege. Doris, mein treues Thinkpad, ist fünf Jahre alt und war viele tausend Kilometer mit mir unterwegs, da möchte man sich nicht mehr darauf verlassen müssen (tatsächlich musste ich es kürzlich neu aufsetzen). Bei einem Business-Laptop-Test musste die Redaktion ein Gerät anschaffen. Sie haben es mir überlassen.

Leider war es von allen das Gerät, das ich mir schon von den Daten her als Letztes gekauft hätte. Noch vor dem Auspacken habe ich mich gefragt, warum irgendjemand dafür den Listenpreis von 1400 Euro (Stand: Frühsommer 2013) bezahlen sollte. Und weil der c’t-Artikel leider nicht sagt, dass dieses Gerät scheiße ist, tue ich es.

Ich habe keine Ahnung von Hardware. Sie soll einfach funktionieren und mich in Ruhe lassen. Ein Intel Core i7 3520M mit 2,9 GHz ist wahrscheinlich ein Teufelskerl von einem Prozessor, weil man ihn nur in sündteuren Laptops verbaut. Es reicht leider trotzdem nicht dafür, dass Thunderbird meine Mails ohne Denkpause filtert (was wahrscheinlich vor allem mit Thunderbird zu tun hat. Aber das ist ein anderes Thema). Vielleicht liegt’s auch an der konventionellen Festplatte. Doris, mein treues Thinkpad, hat eine SSD, die zwar nervtötend klein ist, aber schnell, stromsparend und resistent gegen Erschütterungen und magnetische Bahn-Klapptischchen. Einen 2,6 Kilo schweren Schützenpanzer schleppt man allerdings eh nicht freiwillig mit. Ja, die Grafikkarte (eine Radeon 7570M, wenn ihr’s wissen wollt) und der 15-Zoll-Bildschirm sind okay.

Aber: Wenn HP eine Entscheidung treffen musste, war es immer die falsche. Die Tastatur? Soll nach MacBook Air aussehen und hat einen noch lausigeren Druckpunkt. Wenn ich ohne externes Tastenbrett auf dem Ding tippen muss, tun mir nach einer halben Stunde die Hände weh. Die Tastaturbeleuchtung? Ist ein grotesk unterdimensioniertes Lämpchen, das gerade mal sich selbst beleuchtet und selbst für ein Netbook zu klein wäre – geschweige denn für einen 15-Zöller. Nicht mal das DVD-Laufwerk haben sie richtig hingekriegt: Der Button zum Öffnen ist so klein und so weit unten, dass ich jedesmal stochern und das Gerät anheben muss.

Hardware-Buttons außerhalb der üblichen Tastatur gibt es vier: zum Abschalten von Drahtlosverbindungen und Lautsprechern (okay), für den Browser (naja) und den Taschenrechner (hm). Aber die GOTTVERDAMMTE LAUTSTÄRKE muss ich mit der Fn-Taste einstellen, ebenso die Bildschirmhelligkeit, für die man sogar zwei Hände braucht, weil Fn und F10 so weit auseinander liegen. Jedes billige Dreckshandy, das im chinesischen Arbeitslager vom Fertigungsband fällt und als Prämie beim Kauf eines Schokoriegels endet, hat einen Hardware-Lautstärkeregler – nicht dieser Edel-Laptop aus gebürstetem Metall.

Die Fertigungsqualität ist eine Frechheit. Das winzige Lämpchen knarzt beim Ausfahren wie nichts Gutes. Die Aufklappverriegelung geht so schwer, dass man zwei Hände braucht, und quietscht. Der Netzstecker wackelt. Trotz 2,6 Kilo Gewicht reicht der Akku nur etwa zweieinhalb Stunden. Ab und zu gibt das Ding einen “Huhu”-Hinweiston von sich, von dem ich bis heute nicht verstanden habe, was es mir damit sagen will.

Aber hey, Hauptsache, eine Docking-Station kann man anschließen, und mit dem Ziffernblock wichtige Business-Executive-Zahlen eingeben, die viele Nullen haben (deshalb ist diese Taste doppelt so groß wie die anderen). Natürlich ist jede Menge lausiger Software im Preis enthalten: ein nutzloser PDF-Reader zum Beispiel oder … WinZip. Die Älteren unter Ihnen werde sich vielleicht erinnern: Das war ein im letzten Jahrtausend beliebtes Komprimierungsprogramm.

Zwischendrin fing das Elite-Notebook an, unzuverlässig zu werden. Vor ein paar Wochen ging mittendrin mehrmals — zum Beispiel während des Lesens einer Wikipedia-Seite, als ich die Tastatur noch nicht einmal angefasst hatte — das Licht aus.

Das schlimmste: Ich kann ihn noch nicht mal verkaufen, weil er rechtlich nicht mir gehört. Wenn ich mal zu viel Geld habe, kaufe ich mir ein schönes Thinkpad und dann kann das Elite-Gerät in der Ecke verrosten.